Raqqa am Rhein

Autorengespräch mit Jabbar Abdullah

Mit der Erinnerung an das noch unversehrte Aleppo begann die Lesung mit Jabbar Abdullah im Rahmen der Interkulturellen Woche im Eschborn K. Mit dem Kapitel “Die Tränen Aleppos“ aus seinem Bericht „Raqqa am Rhein“ knüpfte der Abend an Ausstellung und Film zur Themenreihe „Syrien“ an. Er bot  auch Gelegenheit zum Gespräch über den Film  „Für Sama“, der die Besucher*Innen  am Freitagabend tief betroffen entlassen hatte.

Zehn Jahre ist es her, seit die ersten friedlichen Proteste in syrischen Städten stattfanden und von dem Regime Assads mit brutaler Gewalt beantwortet wurden und zum Bürgerkrieg eskalierten. Jabbar Abdullah hat die Demonstrationen und den Ruf nach Freiheit selbst als Student in Aleppo erlebt. Freiheit bedeutet ihm viel. Ohne sich frei zu fühlen, hätte er nicht schreiben können, sagt er.

Neben den politischen Ereignissen, die ihn nach Deutschland geführt haben, beschreibt er auch das alltägliche Leben  in der Familie, die Gespräche mit der Mutter, die Arbeit bei der Baumwollernte, den Garten mit dem Feigenbaum, den Duft des Brotes am Morgen. Es sind Erinnerungen, die ihn immer begleiten. Er thematisiert den alltäglichen Druck durch die allgegenwärtige Kontrolle des Geheimdienstes und der Baath-Partei.

Gedanken zum  Asylverfahren, das so viel Lebenszeit verschlingt, seine Anstrengungen in der deutschen Kultur anzukommen und  über alle Einzelheiten des Lebens Bescheid zu wissen, die Sprache zu lernen, indem er die Wörter zu lieben beginnt, erfährt man im letzten Kapitel. Das Thema Integration ist ihm wichtig und er stellt die Frage:

„Warum muss ich eindeutig sein, mich immer nach den Vorstellungen und Wünschen anderer richten?“ Mir gefällt die Verschiedenheit. Integration bedeutet ein Miteinander in Vielfalt.

Jabbar Abdullah lebt seit seiner Flucht aus Syrien in Köln, wo er als studierter Archäologe arbeitet und sich in dem Verein 17-3-17 um deutsch-syrischen Kulturaustauch bemüht.

Zur Zeit kuratiert er eine Ausstellung zur Geschichte Syriens im Rautenstrauch-Joest-Museum mit dem Titel „Syrien – Gegen das Vergessen“, die im April 2022 eröffnet wird.

Die Texte wurden von Friedrich Wächtershäuser gelesen. Moderation und Konzeption der Interkulturellen Reihe im Eschborn K von Elke Dörner

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